Aus dem Parlament: Externe Finanzkontrolle: Pragmatisch statt überkomplex

An der Parlamentssitzung vom 17. August 2026 stand die geplante Schaffung einer externen Finanzkontrolle für Köniz zur Diskussion. Für die SP-Fraktion ist klar: Eine wirksame und unabhängige Finanzkontrolle ist wichtig – sie muss aber zur Grösse, Organisation und Bedürfnissen von Köniz passen. Aus diesem Grund lehnte die SP-Fraktion die Vorlage grundsätzlich ab. 
Eine knappe Mehrheit des Parlaments hat anders entschieden: Das Parlament hat mit 20 zu 19 Stimmen das Geschäft zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen.


Mehr Strukturen schaffen nicht mehr Kontrolle


Eine unabhängige Finanzkontrolle schafft Transparenz, stärkt das Vertrauen in den Umgang mit öffentlichen Mitteln und kann dazu beitragen, finanzielle Risiken und Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen. Grundsätzlich ist eine unabhängige Kontrolle eine gute Sache. Entscheidend ist jedoch, ob dafür in Köniz eine neue externe Struktur geschaffen werden muss. Die SP-Fraktion kommt zum Schluss: Nein.


Die rechtlichen und organisatorischen Abklärungen der Fachstelle Recht der Gemeinde Köniz haben unsere Bedenken bestätigt. Das von der Motion geforderte Modell der kantonalen Finanzkontrolle lässt sich nicht einfach auf Köniz übertragen. Ein grosser Teil der heutigen Aufgaben der Könizer Finanzkontrolle (rund 70 %) liegt in der Verantwortung des Gemeinderats. Nur ein geringer Teil (rund 30 %) könnte überhaupt an eine externe Finanzkontrolle ausgelagert werden. Zudem verfügt Köniz in Form der Revisionsstelle bereits über eine externe Finanzkontrolle.


Damit würde die neu zu schaffende externe Finanzkontrolle die heutige Finanzkontrolle nicht einfach ersetzen. Vielmehr würden verschiedene Finanzstrukturen nebeneinander bestehen: externe und interne Finanzkontrolle sowie die gesetzlich vorgeschriebene externe Revisionsstelle. Zusätzliche Schnittstellen und Koordinationsbedarf wären die Folge. Um diese Komplexität zu bewältigen sah der Vorschlag des Gemeinderats die Schaffung eines zusätzlichen Koordinationsgremiums vor.


Mehr Strukturen bedeuten nicht automatisch bessere Governance – aber in jedem Fall mehr Aufwand


Auch der Vergleich mit der Stadt Bern greift zu kurz. Die Stadt Bern verfügt über eine wesentlich grössere Verwaltung und ganz andere organisatorische und personelle Voraussetzungen. Was dort sinnvoll und verhältnismässig sein kann, muss es in einer Gemeinde wie Köniz nicht sein.


Das bestehende Modell in Köniz ist aus Sicht der SP-Fraktion schlank, effizient und auf die Verhältnisse unserer Gemeinde angepasst. Die Finanzkontrolle ist nahe an den laufenden Geschäften und den internen Abläufen. Einen konkreten Leidensdruck, der eine grundlegende Neuorganisation rechtfertigen würde, sehen wir nicht.


Das Parlament weist die Vorlage zurück


Die SP-Fraktion lehnte deshalb die Schaffung einer externen Finanzkontrolle in Köniz ab. Auch der Rückweisungsantrag, der eine weitgehende Übernahme des kantonalen Modells fordert, überzeugte uns nicht. Das Parlament hat knapp anders entschieden (20 zu 19 Stimmen) und das Geschäft dem Gemeinderat zu Überarbeitung zurückgewiesen.
Damit ist die Diskussion über eine externe Finanzkontrolle in Köniz noch nicht beendet. Für die SP-Fraktion bleibt der Grundsatz: Gute Governance bedeutet nicht möglichst viele Strukturen, sondern die für Köniz passenden Strukturen.

Géraldine Mercedes Boesch, Co-Fraktionspräsidentin

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